Fisch schnappt nach Luft

Warum schnappt Ihr Fisch nach Luft?

Wenn Fische an der Oberfläche des Aquariums oder Teichs nach Luft schnappen, stellt dies ein ernsthaftes Problem dar. Es ist ein Zeichen dafür das die Fische nicht genügend Sauerstoff bekommen und deshalb suchen sie Stellen, wo die Sauerstoffkonzentration am höchsten ist, nämlich dem Oberflächenwasser. Ein anderer Platz mit hohem Sauerstoffgehalt ist am Filterausfluss und es kann sein das sich die Fische dort versammeln. Es gibt verschiedene Ursachen dafür, dass Fische nach Luft schnappen. Je eher die Ursache gefunden wird, umso schneller werden sich die Fische erholen und die Wahrscheinlichkeit sinkt das sie sterben werden.

Warum schnappen Fische nach Luft?

Das schnelle Atmen des Fischs an der Wasseroberfläche, bei dem oft ein Teil des Mauls aus dem Wasser ragt kann mit dem Keuchen eines Menschen verglichen werden, wenn die Luft knapp wird. Im Falle des Fischs ist es in der Regel ein Signal dafür das er nicht ausreichend Sauerstoff erhält.

Die Ursachen dafür das ein Fisch ungenügend Sauerstoff erhält können sowohl im Lebensraum als auch im Körper des Fischs liegen. Nachstehend gehen wir auf eine Reihe von Gründen für eine mangelhafte Sauerstoffversorgung ein.

Sauerstoffgehalt des Wassers

Der Sauerstoffgehalt im Wasser wird durch sauerstoffliefernde und sauerstoffverzehrende Prozesse beeinflusst, wobei die Sauerstoffaufnahme aus der Atmosphäre vor allem von der Größe der Wasseroberfläche, der Wassertemperatur, dem Sättigungsdefizit, der Wasserturbulenz und der Luftbewegung abhängt.

Sauerstoff wird auch bei der Photosynthese der Wasserpflanzen freigesetzt, während der Abbau organischer Stoffe im Wasser durch die Tätigkeit der Mikroorganismen sowie durch die Atmung von Tieren und Pflanzen Sauerstoff verbraucht wird. Im Wasser kann es sowohl zu einer Sauerstoffübersättigung als auch zu einem Sauerstoffmangel kommen. Als „fischkritischer Wert“ gilt ein Sauerstoffgehalt von 3 mg/l, unterhalb dessen Fische geschädigt werden können.

Unzureichende Filterung

Unabhängig davon welche Fische im Aquarium gehalten werden, für alle Fische gilt das das Aquarium eine angemessene Größe und in der Regel einen funktionierenden Filter hat. Wenn Fische an der Wasseroberfläche nach Luft schnappen, sollte als erstes das Filtersystem auf seine Funktionalität und Größe überprüft werden. Beim Walstad-Aquarium entfällt das Filtersystem, ansonsten gilt jedoch das man sich nicht nur auf die Luftdiffusion an der Wasseroberfläche verlässt, sondern für eine gute Filterung und Belüftung durch Wasserbewegung im Aquarium oder Teich sorgt. Wobei die Filterung nicht nur das Wasser mit Sauerstoff versorgt, sondern auch den Stickstoffkreislauf unterstützt und giftiges Ammoniak in unbedenklichere Verbindungen zerlegt.

Überbesatz

Werden zu viele Fische im Aquarium oder Teich gehalten kann dies dazu führen, dass der Sauerstoff schneller verbraucht, wird als er ersetzt wird. Zu wenig gelöster Sauerstoff im Wasser ist ein Problem das häufig in den Sommermonaten in einem Teich auftritt, weil warmes Wasser weniger Sauerstoff aufnimmt. In der Nacht sinkt der Sauerstoff, weil Pflanzen, Algen, Mikroorganismen und Fische den Sauerstoff verbrauchen, so dass der Gehalt an gelöstem Sauerstoff morgens vor Sonnenaufgang am niedrigsten ist. Eine Reduzierung der Anzahl der Fische und die Entfernung von Algen tragen dazu bei, den Sauerstoffgehalt im Teich zu erhöhen.

Aquarium-Radfahren

Jedes neue Aquarium benötigt eine Einlaufzeit bei der nützliche Bakterien den Filter besiedeln und so Ammoniak in sichere Produkte umgewandelt werden können. Die Einlaufzeit wird auch als „Aquarium Radfahren“ oder „Neues Aquarium-Syndrom“ bezeichnet, wobei die Ammoniak-, Nitrit– und Nitratwerte im Wasser sprunghaft ansteigen. Solche Spitzenwerte können die Gesundheit der Fische ernsthaft beeinträchtigen und sogar zum Tod führen. Deshalb ist es wichtig über einen Zeitraum von 4 bis 6 Wochen nur nach und nach Fische einzusetzen, damit die nützlichen Biofilter-Bakterien genug Zeit haben sich zu vermehren, und mit den anfallenden Fischabfällen fertig werden können.

Werden zu früh zu viele Fische in das Becken oder Teich gesetzt kommt es zum Neuen Aquarium-Syndrom was dazu führt das die erhöhten Ammoniakwerte die Kiemen der Fische vergiften und sie tötet.

Methämoglobinämie

Im mittleren Stadium des Stickstoffkreislaufs wird Ammoniak in Nitrit umgewandelt. Wenn der Nitritgehalt über eine längere Zeit zu hoch ist, kann er eine Methämoglobinämie verursachen. Bei diesem Krankheitsprozess verbindet sich Nitrit mit dem Hämoglobin im Blut und verdrängt so den Sauerstoff. Die Konsequenz daraus ist das das Körpergewebe der Fische den Sauerstoff nicht aufnehmen und letztlich ersticken und Sterben, egal wie viel Sauerstoff im Wasser vorhanden ist. Mit einem Wassertestset ist jedoch sehr einfach festzustellen, ob der Nitratgehalt zu hoch ist.

Beschädigung der Kiemen

Egal wie viel Sauerstoff im Wasser vorhanden ist, wenn die Kiemen der Fische geschädigt sind und nicht mehr richtig funktionieren, werden die Fische an der Oberfläche nach Luft schnappen. Es gibt verschiedene Krankheiten, die zur Schädigung der Kiemen ihrer Fische führen können. Die Kiemen können auch durch Ablagerungen und Giftstoffe, wie Schwermetalle, Ammoniak und Chlor, verunreinigt werden.

Kiemenschäden können auch bei Viruserkrankungen wie dem Koi-Herpes-Virus (Koi-Seuche) und dem Carp Edema Virus auftreten. Diese Viren greifen die Kiemen an so das sich die Fische lethargisch verhalten, an der Oberfläche nach Luft schnappen und letztlich daran sterben.

Parasiten, die sich in den Kiemen vermehren, wie z. B. die Weiße Pünktchenkrankheit können aufgrund von Kiemenschäden auch ein nach Luft schnappen verursachen. Sie können auch andere Anzeichen einer Reizung feststellen, wie sich an Gegenständen scheuern, verminderter Appetit und Lethargie.

Es gibt keine einheitliche Behandlung für alle Parasiten, daher sollten Sie nicht gleich ein ganzes Bündel von Medikamenten verwenden. Wasserparasiten gelangen oft durch einen neuen, befallenen Fisch in ein parasitenfreies Aquarium. Um die Einschleppung von Parasiten zu verhindern, sollten für alle Neuzugänge, seien es Fische, Pflanzen oder wirbellose Tiere, angemessene Quarantänezeiten eingehalten werden.

Diagnostische Verfahren

Als erstes muss untersucht werden, worin die Ursache für das Luftschnappen ihrer Fisch liegt, deshalb ist der erste Schritt die Wasserchemie mit einem Wassertestset zu überprüfen. Sollten die Ergebnisse alle im normalen Bereich liegen müssen Sie einen Tierarzt konsultieren. Ein Wassertierarzt kann weitergehende Untersuchen wie eine Kiemenbiopsie und Proben entnehmen, um sie auf Viren zu testen.

Behandlung

Wenn ihre Wasserchemie eine Anomalie aufzeigt, sollten Sie sofort Maßnahmen ergreifen, um diese zu beheben. Probleme mit dem Stickstoffkreislauf, erhöhte Ammoniak-, Nitrit- oder Nitratwerte lassen sich durch einen Wasserwechsel von 50 % schnell beheben und verschaffen ein wenig Zeit für die Ursachenforschung.

Überprüfen Sie Ihr Leitungswasser auf Chlor und Ammoniak (Chloramin) und behandeln Sie es mit Wasseraufbereitungsmitteln, bevor Sie es in Ihr Aquarium oder Ihren Teich geben, falls der Test positiv ausfällt. Sofern die Wassertemperatur oder der pH-Wert von ihren Standard-Werten abweicht, müssen diese langsam korrigiert werden, damit die Fische nicht an einem Schock sterben. Führen Sie weitere Tests so lange fort bis alle Testergebnisse im normalen Bereich liegen.

Je nach Krankheit kann Ihnen ihr Wassertierarzt Antibiotika oder weitere Parasitenbehandlungen verschreiben. Die Ursachen für die Schädigung der Kiemen und das damit verbundene Luftschnappen sind vielfältig. Es gibt keine einheitliche Lösung für die Behandlung. Je nach Art des diagnostizierten Parasiten muss ein entsprechendes Medikament verwendet werden. Bei der Verwendung von rezeptfreien Medikamenten kann es passieren das die Gesundheitsprobleme ihrer Fische verstärkt werden.

Wie man das Luftschnappen verhindert

Den bestmöglichen Schutz zur Verhinderung das ihr Fisch nach Luft schnappt besteht darin regelmäßige Wassertests, ordnungsgemäße Filterreinigungen und eine strenge Quarantänezeit für alle Arten von Neuzugängen einzuhalten. Achten Sie darauf das es nicht zu einer Überbesetzung in Fischen in ihrem Aquarium kommt. Die Verwendung von hochwertigen Futtermitteln und eine angemessene Fütterung sollten beachtet werden.

Richtige Pflege

Abhängig von der Größe und Ausstattung ihres Aquariums oder Teichs, sowie der Anzahl der Fische und Fischarten, die sie halten muss, das Filtersystem entsprechend oft gereinigt werden. Auch wenn Fische als Haustiere einen viel geringeren Zeitaufwand benötigen als andere Haustiere, so sind sie dennoch nicht wartungsfrei und bedürfen einer regelmäßigen Pflege und Wartung um den künstlichen Lebensraum gesund zu erhalten. Die Qualität des Wassers im Aquarium oder Teich ist entscheidend für die Gesundheit der Fische, so wie für uns die Luft zum Atmen.

Regelmäßige Wasseruntersuchungen

Wie wissen Sie das ihre Pflegemaßnahmen ausreichend sind? Testen Sie Ihre Wasserchemie und am besten ist es ein Aquarientagebuch zu führen.

Verwenden Sie ein Testkit auf Flüssigkeitsbasis und keine Teststreifen, um Ammoniak, Nitrit, Nitrat, pH, KH mindestens einmal pro Monat zu messen, nachdem ihr Aquarium vollständig eingefahren ist. Kontrollieren Sie regelmäßig die Temperatur.

Wenn Sie Filterkomponenten oder weitere Fische hinzufügen oder deren Ernährung ändern, sollten Sie die Werte zunächst täglich und dann wöchentlich überprüfen, bis sie stabil sind. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Parameter Sie verwenden sollten, fragen Sie Ihren Wassertierarzt oder recherchieren Sie sorgfältig zu den Anforderungen Ihrer Fischart.

Tauschen Sie Ihr Testkit einmal im Jahr aus, damit Sie sicherstellen immer zuverlässige Ergebnisse zu erhalten.

Quarantänezeiten

Jeder freut sich darauf die neuen Fische oder Pflanzen so schnell wie möglich in das eigene Aquarium oder den Teich zu setzen. Dabei gilt es jedoch zu beachten das Tiere und Pflanzen, die aus der Zoohandlung ins heimische Aquarium kommen, häufig geschwächt sind und alles in sich tragen was in den Aquarien des Händlers herumschwimmt. In der Regel wandern die Fische schnell durch die Zoohandlungen und eventuelle Krankheitsanzeichen sind nicht zu erkennen.

Sobald die Tiere oder Pflanzen erst einmal in das heimische gesunde Aquarium eingesetzt wurden, gibt es keinen Weg mehr zurück und eventuelle Krankheiten verbreiten sich schnell im eigenen Aquarium aus. Aus diesem Grund ist es ratsam Tiere und Pflanzen zunächst komplett zu isolieren, also in ein separates Becken mit separater Filterung zu setzen bevor sie in das Hauptbecken mit anderen Tieren zusammenkommen.

Um Ihre Fische zu schützen, wird eine Quarantänezeit empfohlen. Die Quarantänezeit sollte mindestens 2 besser 4 Wochen betragen. Wie kommt diese Zeitspanne zustande? Nun, Importeure von Zierfischen müssen die Tiere für 2 Wochen in Quarantäne stellen, bevor sie sie an den Handel weitergeben dürfen. Da jedoch jede Fischart für bestimmte Bakterien, Parasiten und Viren anfällig sind und in der Regel zunächst eine Inkubationszeit erfolgt, bevor es Anzeichen einer Krankheit gibt, ist eine Quarantänezeit von 4 Wochen sicherer.

Zu berücksichtigen ist auch das sich nicht jeder Fisch gleich verhält und nicht jeder Fischhalter die Krankheitsanzeichen sofort bemerkt. Ein weiterer wichtiger Faktor beim Verlauf von Krankheiten ist die Temperatur, da wärmere Temperatur den Krankheitsprozess beschleunigen, was besonders bei offenen Gewässern wie bei einem Teich nicht kontrollierbar ist. Falsche Wassertemperaturen können das Immunsystem Ihrer Fische beeinträchtigen, und es kann sein, dass sie die Quarantäne ohne Probleme „überstehen“ und trotzdem krank sind.

Obwohl eine Quarantäne einen gewissen Mehraufwand beinhaltet, trägt sie jedoch dazu bei das Leben ihrer Fische zu schützen und auch zu retten.

Die Ursachen dafür das Fische an der Oberfläche nach Luft schnappen sind vielfältig. Einige Ursachen wie eine schlechte Wasserqualität lassen sich einfach beheben während andere eine tierärztliche Behandlung erfordern, um sie richtig zu diagnostizieren und zu behandeln. Beugen Sie vor und führen Sie regelmäßig Pflegemaßnahmen durch, kontrollieren Sie regelmäßig die Wasserqualität und halten Sie sich an Quarantänezeiten, dann sollte ihre Fische gut geschützt sein.

Titelbild: Ksionic